Hausratversicherung in der WG: Wer ist versichert, wer zahlt und was nicht gedeckt ist
Das Fenster hinten ist aufgehebelt, dein Laptop ist weg, und der Fernseher im Wohnzimmer auch, der, für den ihr vor zwei Jahren zu viert zusammengelegt habt, so ungefähr. Die Polizei gibt dir ein Aktenzeichen. Dann fragt jemand, was beim Einzug keiner gefragt hat: Wer war eigentlich wofür versichert?
Die meisten in einer WG erfahren es auf die harte Tour, denn die Hausratversicherung gehört zu den Dingen, bei denen alle annehmen, dass jemand anderes sich gekümmert hat. Die gute Nachricht: Es ist ein kurzes Gespräch und ein überschaubarer Beitrag, und beides ist vor dem Schaden viel leichter als danach.
Hausratversicherung in der WG beginnt bei dem, was der Vermieter nicht abdeckt
Vermieter versichern in der Regel das Gebäude: Wände, Dach, fest eingebaute Teile, manchmal die Möbel, die sie gestellt haben. Diese Gebäudeversicherung deckt deine Sachen nicht. Bei einem Brand, einem Leitungswasserschaden aus der Wohnung oben oder einem Einbruch wird die Wohnung repariert, und du bleibst auf dem Ersatz deiner eigenen Dinge sitzen.
Genau diese Lücke schließt die Hausratversicherung. Sie deckt deinen Besitz ab, und wer dazu eine Privathaftpflicht hat, ist auch abgesichert, wenn er etwas in der Wohnung oder bei anderen beschädigt, zum Beispiel durch einen Küchenbrand. Schaut zuerst in den Mietvertrag, denn manche Vermieter verlangen eigenen Schutz, und was ihr vor der Unterschrift unter einen gemeinsamen Mietvertrag klären solltet ist ein guter Moment, das Thema anzusprechen.
Eigene Policen sind meist besser als eine gemeinsame
Eine WG hat zwei Möglichkeiten: eine Police für alle oder eine pro Person. Beides kann klappen, aber sie verhalten sich sehr unterschiedlich.
- Eine gemeinsame Police bedeutet eine Rechnung und ein Dokument. Aber viele Versicherer bieten sie nur für Verwandte oder Paare an, der Schaden einer Person kann bei allen im Vertrag landen, und beim Auszug muss die ganze Police angepasst werden.
- Eine Police pro Person deckt nur eure eigenen Sachen. Sie zieht mit euch um, und der Schaden eines Mitbewohners berührt euren Beitrag nie.
Für Mitbewohner, die nicht verwandt sind, ist eine eigene Police meist einfacher und flexibler. Wollt ihr trotzdem eine gemeinsame, fragt den Versicherer, ob unverwandte WG-Mitglieder mitversichert werden können und ob alle im Vertrag stehen müssen.
Der Versicherung ist egal, wer das Sofa bezahlt hat. Ihr ist wichtig, wer beweisen kann, dass es ihm gehört.
Klärt, was euch gehört und was ihr zusammen besitzt
Geht Zimmer für Zimmer durch und schreibt auf, was ihr ersetzen müsstet: Laptop, Handy, Kopfhörer, Kleidung, Fahrrad, Instrumente. Rechnet grobe Werte zusammen. Die Summe ist meist höher, als man denkt, und sie entscheidet, wie viel Schutz ihr braucht. Ist die Versicherungssumme zu niedrig, gibt es im Schadenfall unter Umständen weniger Geld.
Dann kommen die gemeinsamen Sachen: Sofa, Fernseher, die Heißluftfritteuse, an deren Kauf sich keiner erinnert. Legt schriftlich fest, wem was gehört, und sei es nur eine Zeile im WG-Chat. Nur wem etwas gehört, kann dafür einen Schaden melden, und wenn ihr etwas zusammen gekauft habt, klärt jetzt, wer es behält, wenn jemand auszieht. Möbelkosten in der WG aufteilen zeigt, wie das geht.
Lest das Kleingedruckte, auf das es ankommt
Zwei Tarife zum selben Preis können ganz unterschiedliche Dinge abdecken. Prüft vor dem Abschluss:
- Entschädigungsgrenzen. Viele Tarife begrenzen die Zahlung pro Gegenstand oder Kategorie, ein teurer Laptop oder ein Fahrrad muss deshalb oft extra aufgeführt werden.
- Schutz außerhalb der Wohnung. Ob der Laptop im Café oder im Zug versichert ist, ist häufig ein Zusatzbaustein.
- Fahrradklausel und Sicherheitsauflagen. Manche Tarife zahlen nur, wenn das Rad ordentlich abgeschlossen war oder bestimmte Sicherungen vorhanden waren.
- Grobe Fahrlässigkeit. Ob ihr auch dann Geld bekommt, wenn das Fenster offen stand.
- Selbstbeteiligung. Der Betrag, den ihr bei jedem Schaden zuerst selbst tragt.
- Haftpflicht. Ob ihr für Schäden abgesichert seid, die ihr an der Mietwohnung oder an fremden Sachen verursacht.
Dreißig Minuten mit den Vertragsbedingungen jetzt sind billiger als eine Klausel, die man erst nach dem Einbruch entdeckt.
Sichert Belege und prüft die Police bei Veränderungen
Ein Schaden läuft über Nachweise: Fotos der Wertsachen, Seriennummern und Rechnungen. Bewahrt sie an einem Ort auf, an den ihr auch kommt, wenn ausgerechnet das Handy gestohlen wurde. Eine App wie Crew sammelt WG-Dokumente und Belege an einem gemeinsamen Ort, und die Dokumenten-Checkliste für Mieter zeigt, was ihr sonst noch aufheben solltet.
Setzt euch dann eine Erinnerung, das Thema wieder anzuschauen. Prüft den Schutz bei jedem Ein- und Auszug, nach größeren Anschaffungen und bei der Verlängerung. Beiträge und Bedingungen ändern sich, und eine WG, die sich seit dem Abschluss verändert hat, passt selten zur Police von damals.
Niemand plant für das Fenster. Aber eine Versicherung ist das Einzige, was man kauft, in der Hoffnung, es nie zu brauchen, und das Einzige, das man am Tag des Schadens gern richtig gelesen hätte. Eine Stunde Papierkram jetzt ist der ganze Preis dafür.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Hausratversicherung, wenn ich nur ein WG-Zimmer miete?
Die Versicherung des Vermieters deckt das Gebäude, nicht deine Sachen. Wenn du etwas besitzt, das du nicht einfach ersetzen könntest, etwa Laptop, Handy oder Fahrrad, lohnt sich eine Hausratversicherung. Manche Vermieter verlangen sie außerdem, also schau in den Mietvertrag.
Ist mein Hab und Gut über die Hausratversicherung meines Mitbewohners mitversichert?
In der Regel nicht. Eine Police schützt die Person, die im Vertrag steht, und manchmal deren Familie, aber nicht unverwandte Mitbewohner. Jede Person sollte prüfen, ob sie selbst versichert ist, oder ob eine gemeinsame Police alle in der WG ausdrücklich nennt. Unter Umständen sind Auszubildende und Studierende auch über die Police der Eltern mitversichert, das lässt sich beim Versicherer erfragen.
Sollte eine WG eine gemeinsame Hausratversicherung abschließen?
Möglich ist das, aber viele Versicherer bieten es nur für Verwandte oder Paare an, und der Schaden einer Person kann den Beitrag für alle beeinflussen. Eine eigene Police ist meist einfacher und zieht mit dir um, wenn du ausziehst.
Was passiert, wenn ein Mitbewohner etwas beschädigt oder einen Brand verursacht?
Dafür ist die Privathaftpflichtversicherung da, die in Deutschland ohnehin sehr verbreitet ist. Sie kann Schäden an der Mietwohnung oder an fremden Sachen abdecken. Der Umfang unterscheidet sich je nach Tarif, also prüft die Bedingungen eures Vertrags.
Wie beweise ich im Schadenfall, was mir gehört?
Bewahre Fotos, Rechnungen und Seriennummern deiner Wertsachen an einem Ort auf, an den du auch ohne Handy kommst. Mit einer App wie Crew können Mitbewohner gemeinsame Belege und Dokumente an einem Ort sammeln, sodass bei Sofa oder Fernseher nachvollziehbar bleibt, wer bezahlt hat.