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Heizkosten in der WG: Heizplan, kaltes Zimmer und die Nachzahlung im Januar

Zweite Novemberwoche. Eine Mitbewohnerin sitzt im Hoodie, Bademantel und Decke auf dem Sofa und weigert sich aus Prinzip, das Thermostat anzufassen. Ein anderer heizt seit sieben Uhr morgens und versteht ehrlich nicht, wo das Problem liegt. Gesagt hat niemand etwas. Am Thermostat wurde in vier Tagen neunmal gedreht.

Heizen ist der eine WG-Konflikt, bei dem Geld und körperliches Wohlbefinden direkt aufeinandertreffen. Alles andere, was ihr teilt, ist abstrakt. Das hier spürt man den ganzen Tag, an den Händen.

Warum es beim Heizstreit nie wirklich um Grad geht

Drei Dinge machen das Thema in einer WG so explosiv.

Erstens friert man tatsächlich unterschiedlich. Bei 19 Grad zu frieren ist keine Verhandlungstaktik, sondern hängt von Körperbau, Bewegung, Medikamenten und davon ab, wie lange jemand still am Schreibtisch sitzt.

Zweitens ist die Wohnung nicht überall gleich warm. Das Zimmer über der Therme ist eine Sauna, das Nordzimmer mit dem alten Fenster und der Tür zum Flur liegt vier Grad unter dem, was das Thermostat behauptet. Zwei Leute streiten über dieselbe Zahl und leben faktisch in unterschiedlichen Klimazonen.

Drittens kommt die Rechnung mit Verzögerung. Die Wärme gibt es im November, die Nachzahlung im Januar — und dann weiß niemand mehr, wer wann hochgedreht hat. Nur, dass es teuer war.

In eurer WG streitet niemand über Grad. Es geht darum, wer es warm haben darf — und wer dafür bezahlt.

Schritt 1: Erst rechnen, dann diskutieren

Fast jede WG diskutiert übers Heizen, ohne dass eine einzige Person die Zahl kennt. Holt die letzte Nebenkostenabrechnung raus oder schaut auf den monatlichen Abschlag, und rechnet aus, was ein Wintermonat Heizen kostet — geteilt durch die Personenzahl, geteilt durch vier Wochen.

Diese eine Rechnung verändert den Ton komplett. „Dreh runter, das ist teuer" ist ein Werturteil, und über Werturteile streitet man. „Ein Grad mehr kostet die WG ungefähr so viel im Monat, also rund drei Euro pro Person" ist eine Abwägung — und ziemlich oft entscheidet die WG dann, dass es das offensichtlich wert ist. Warm haben darf gewinnen. Es muss nur bewusst gewinnen.

Schritt 2: Heizzeiten statt Thermostat-Krieg

Die größte Streitquelle ist ein Thermostat, an dem jederzeit jeder drehen kann. Damit wird Wohlbefinden zum Wettbewerb darum, wer zuletzt am Flur vorbeigelaufen ist — und geheizt wird zu Zeiten, die niemand bewusst gewählt hat.

Programmiert stattdessen, und einigt euch auf vier Punkte:

Die eigenen Zimmer gehören nicht in diese Diskussion. Dafür sind Thermostatventile da: eigenes Zimmer wärmer, eigenes Zimmer kühler — und Schluss mit dem Streit über eine Zahl, die die ganze Wohnung ohnehin nie beschrieben hat.

Schritt 3: Das kalte Zimmer lösen, nicht die ganze Wohnung

Der Perspektivwechsel, der die meisten Thermostat-Kriege beendet: Wer 23 Grad will, ist meistens nicht unvernünftig. Diese Person sitzt im kältesten Raum der Wohnung und bittet die ganze WG, das auszugleichen.

Vier Zimmer zu heizen, um eines zu retten, ist die teuerste denkbare Lösung. Probiert vorher das Günstige: Heizkörper entlüften, prüfen ob das Ventil im kalten Zimmer wirklich ganz offen ist, Zugluft unter der Tür abdichten, dichtere Vorhänge, Reflexionsfolie hinter Heizkörpern an Außenwänden. Wenn es dann immer noch kalt ist, kostet ein kleiner Heizlüfter für ein paar Stunden am Tag in diesem einen Zimmer deutlich weniger, als die gesamte Wohnung zwei Grad wärmer zu fahren.

Und wenn das Zimmer wegen undichter Fenster, kalter Heizkörper oder einer schwächelnden Therme nicht warm wird, ist das kein WG-Thema mehr. In der Heizperiode von Anfang Oktober bis Ende April muss die Heizung tagsüber rund 20 bis 22 Grad schaffen — das ist Vermietersache. Meldet den Mangel schriftlich, hebt Fotos und Antworten auf und legt sie zu euren Mietunterlagen. Eine Mail von Anfang Oktober ist im Februar deutlich mehr wert als ein Anruf, an den sich niemand erinnert. Und lüftet stoßweise statt Fenster auf Kipp, sonst wird aus dem kalten Zimmer noch ein Schimmelfall.

Schritt 4: Nebenkosten so aufteilen, dass die Nachzahlung niemanden umhaut

Teilt gleichmäßig. Wärme bleibt nicht in dem Raum, in dem sie entstanden ist, individueller Verbrauch ist in einer WG nicht messbar, und jeder Versuch, stundenweise abzurechnen, hält keine zwei Wochen. Für die allermeisten WGs ist gleichmäßig gleichzeitig das Einfachste und das Fairste.

Eine echte Ausnahme gibt es, und die gehört vor den Winter besprochen statt danach: eine Person, die den ganzen Winter allein im Homeoffice sitzt, während alle anderen außer Haus sind. Das ist ein reales Ungleichgewicht und es wächst über eine Saison. Löst es mit einem kleinen vereinbarten Monatsbetrag statt mit einer Verbrauchsprüfung — oder diese Person heizt tagsüber ihr eigenes Zimmer und der WG-Heizplan bleibt für alle anderen unverändert.

Und klärt den Fall, der jede WG erwischt: Was passiert mit der Nachzahlung, wenn jemand mitten im Abrechnungszeitraum auszieht? Gegenüber dem Vermieter haften bei einem gemeinsamen Mietvertrag in der Regel alle. Intern regelt ihr das vorher: anteilig nach Wohnmonaten, Kontaktadresse hinterlassen, fertig. Wer Abschläge und Abrechnungen laufend in einer App wie Crew erfasst, hat diese Zahl im Zweifel schwarz auf weiß — und die Nachzahlung ist ein Betrag, den alle kommen sahen, statt eine Überraschung im WG-Chat.

Schritt 5: Führt dieses Gespräch im September

Der denkbar schlechteste Moment für Heizregeln ist der, in dem eine Person schon friert und eine andere schon die Abrechnung gesehen hat. Dann ist es keine Absprache mehr, sondern ein Vorwurf mit Thermostat.

Zehn Minuten im Frühherbst reichen: Heizzeiten, Grundtemperatur, wer kümmert sich ums kalte Zimmer, wie wird geteilt. Danach muss bis zum Frühling niemand mehr eine Meinung zur Heizung haben.

Eine gut laufende WG ist nicht die, in der sich alle auf die perfekte Temperatur einigen. Es ist die, in der die Heizung dann läuft, wenn sie soll, das kalte Zimmer im Oktober erledigt wurde und die Januar-Abrechnung langweilig ist. Warme Wohnung, langweilige Rechnung — mehr ist das Ziel nicht.

Häufige Fragen

Wie warm muss es in einer Mietwohnung oder WG sein?

In der üblichen Heizperiode von Anfang Oktober bis Ende April muss die Heizung tagsüber Wohnraumtemperaturen von etwa 20 bis 22 Grad ermöglichen, nachts darf es etwas kühler sein. Das ist die Pflicht des Vermieters, nicht eine Frage zwischen Mitbewohnern. Innerhalb der WG genügt es, sich auf eine Grundtemperatur für die Gemeinschaftsräume zu einigen, mit der alle leben können — die eigenen Zimmer regelt jede Person über das Thermostatventil selbst.

Wie teilt man Heizkosten in einer WG fair auf?

In den allermeisten WGs ist die gleichmäßige Aufteilung durch die Personenzahl die richtige Lösung, weil sich Wärme in der Wohnung verteilt und der individuelle Verbrauch nicht messbar ist. Eine Abweichung lohnt sich nur bei einem dauerhaften Ungleichgewicht, etwa wenn eine Person den ganzen Winter im Homeoffice sitzt. Eine App wie Crew hilft dabei, weil jeder Abschlag und jede Abrechnung direkt erfasst wird und sich mit den übrigen WG-Kosten verrechnet, statt im Januar in vier Einzelüberweisungen zu enden.

Ist Durchheizen günstiger als heizen nach Bedarf?

Für die meisten Wohnungen nicht. Ein Gebäude verliert permanent Wärme nach außen, und wer durchheizt, bezahlt einen größeren Teil dieses Verlusts. Sinnvoller sind feste Heizzeiten und eine moderate Nachtabsenkung statt komplett abgedrehter Heizkörper, weil das Auskühlen der Wände wiederum Energie kostet. Anders sieht es bei sehr gut gedämmten Neubauten und Wärmepumpen aus, die im gleichmäßigen Dauerbetrieb am effizientesten laufen.

Wer zahlt die Nebenkosten-Nachzahlung, wenn jemand schon ausgezogen ist?

Gegenüber dem Vermieter haften bei einem gemeinsamen Mietvertrag in der Regel alle Hauptmieter, unabhängig davon, wer wann ausgezogen ist. Intern regelt ihr das am besten vorher schriftlich: Die Nachzahlung wird anteilig nach Wohnmonaten im Abrechnungszeitraum aufgeteilt, und wer auszieht, hinterlässt eine Kontaktadresse. Ohne diese Absprache endet es fast immer damit, dass die verbliebenen Mitbewohner die Rechnung übernehmen.

Was tun, wenn das Zimmer kalt bleibt oder die Heizung nicht funktioniert?

Meldet den Mangel schriftlich beim Vermieter oder der Hausverwaltung, mit Datum, Fotos und wenn möglich einer gemessenen Temperatur, und hebt alle Antworten auf. Erst diese Dokumentation macht später eine Fristsetzung oder eine Mietminderung überhaupt möglich. Bis zur Reparatur helfen Heizkörper entlüften, Ventil ganz aufdrehen, Zugluft abdichten und Stoßlüften statt gekippter Fenster, damit aus dem kalten Zimmer kein Schimmelproblem wird.

Der Winter ist leichter, wenn die Kosten geregelt sind

Crew hält Ausgaben, Aufgaben und Dokumente der WG an einem Ort — Abschläge, Nebenkostenabrechnung und die Mails an den Vermieter dort, wo alle sie sehen.

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