Mängel in der WG melden: Schimmel, Heizung und der Vermieter, der nicht antwortet
Seit neun Tagen kommt aus der Dusche nur kaltes Wasser. Alle in der WG wissen es. Alle haben mindestens einmal gesagt, dass mal jemand die Hausverwaltung anschreiben sollte. Angeschrieben hat niemand — weil „mal jemand" keine Person ist und der WG-Chat der Ort ist, an dem Reparaturen sterben.
Kaputte Dinge halten sich in WGs erstaunlich lange. Wer allein wohnt, meldet eine defekte Therme innerhalb einer Stunde. In einer Vierer-WG übersteht dieselbe Therme zwei Wochen — nicht, weil es allen egal wäre, sondern weil alle davon ausgehen, dass die Person, die sich zuerst beschwert hat, das schon regelt.
Eine kaputte Heizung in der WG ist ein Zuständigkeitsproblem
Verantwortung verteilt sich und verdünnt sich dabei. Vier Leute halten das Melden jeweils für ein Viertel ihrer Aufgabe, und in Summe ergibt das null. Bei allem außerhalb der eigenen Zimmertür wird es noch schlimmer: Der tropfende Heizkörper im Zimmer ist bis Dienstag gemeldet, der feuchte Fleck an der Flurdecke gehört niemandem und darf bis zum Frühling bleiben.
Dieses Zögern wird teuer, nur eben später. Aus kleinen undichten Stellen werden Decken. Aus einem Schimmelfleck wird eine Wand. Und alles, was nie schriftlich gemeldet wurde, taucht beim Auszug zuverlässig wieder auf — spätestens dann merkt die WG, dass die Kaution zurückzubekommen vor allem eine Beweisfrage ist.
Legt eine zuständige Person fest, bevor etwas kaputtgeht
Die wirksamste Maßnahme kostet nichts: Eine Person ist für einen festen Zeitraum der Kontakt zur Vermieterseite oder Hausverwaltung — sechs Monate reichen völlig — und danach wird gewechselt.
Diese Person muss nichts reparieren und auch nicht allein hinter Handwerkern hertelefonieren. Sie ist schlicht der Mensch mit Namen, der die Mail schreibt. Alle anderen haben genau eine Pflicht: innerhalb eines Tages Bescheid geben, im WG-Chat, mit Foto. Das ist das ganze System, und es beseitigt den größten Teil der Verzögerung.
Reparaturen in WGs scheitern selten daran, dass die Vermieterseite ablehnt. Sie scheitern daran, dass niemand geschrieben hat — und danach niemand da war, als der Handwerker kam.
So schreibt ihr eine Mängelanzeige, die etwas bewirkt
Immer in Textform. Auch wenn ihr zusätzlich anruft — und wenn ihr anruft, schickt hinterher zwei Zeilen per Mail mit dem, was besprochen wurde, samt Uhrzeit. Ein Telefonat ist eine Erinnerung, eine E-Mail ist ein Nachweis mit Datum.
Eine Meldung, die bearbeitet wird, enthält fünf Dinge:
- Was seit wann kaputt ist — konkret, nicht „die Heizung spinnt". Besser: „seit Samstag, 22., an keinem Hahn Warmwasser".
- Fotos mit Datum oder ein Video von zehn Sekunden. Ein Video vom tropfenden Anschluss sagt mehr als drei Absätze.
- Warum es dringend ist, falls es das ist: keine Heizung, kein Warmwasser, Wasser in der Nähe von Elektrik, eine Tür, die nicht schließt, alles, was sich ausbreitet.
- Zwei bis drei Zeitfenster für den Zugang plus die Handynummer der Person, die dann da ist. Genau diesen Punkt lassen alle weg — und genau er verschiebt den Termin nach vorn.
- Eine klare Bitte mit Frist: „Bitte um einen Termin in dieser Woche — könnt ihr bis Freitag bestätigen?"
Vage Meldungen bekommen vage Antworten. Konkrete bekommen einen Kalendereintrag.
Schimmel und die Mängel, die man euch anlastet
Meldet ihr Schimmel, lautet die erste Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit „richtig lüften". Manchmal ist das ehrlich gemeint — vier Leute, die in einer kleinen Wohnung duschen, bei geschlossenen Fenstern, mit Wäsche auf jedem Heizkörper, produzieren tatsächlich Kondenswasser. Und manchmal ist es der Weg, aus einem Bauschaden ein Mieterproblem zu machen.
Beweise klären das. Haltet fest, wo der Schimmel sitzt: kalte Außenwand, Ecke hinter dem Schrank oder Decke unter dem Bad bedeutet etwas anderes als ein Fleck unter einem undichten Fensterrahmen. Fotografiert mit Datum und zwei Wochen später noch einmal, damit die Ausbreitung sichtbar wird. Notiert, ob der Schimmel nach dem Reinigen zurückkommt — wiederkehrender Schimmel an derselben Stelle ist eine Ansage des Gebäudes.
Und macht euren Teil sichtbar: mehrmals täglich stoßlüften statt Fenster dauerhaft kippen, nach dem Duschen lüften, Wäsche draußen oder mit Luftentfeuchter trocknen. Zum Teil, weil es hilft. Vor allem, weil es das bequemste Gegenargument entfernt.
Unterlagen dorthin, wo die ganze WG drankommt
Der Konstruktionsfehler der meisten WGs: Die komplette Mängelhistorie liegt im Postfach einer Person und auf der Kamerarolle einer Person. Zieht sie im Juni aus, verliert die WG ihr Gedächtnis, und die nächste Mietzeit beginnt bei null.
Legt es gemeinsam ab — Mietvertrag und Übergabeprotokoll, jede Meldung und jede Antwort mit Datum, Handwerkertermine, Rechnungen, Vorher-Nachher-Fotos. Genau hier ist eine App wie Crew sinnvoll: gemeinsame Dokumentenablage, die nicht an einem Handy hängt, das Nachhaken als Aufgabe mit Datum statt als guter Vorsatz, und ein selbst bezahlter Notdiensteinsatz direkt als gemeinsame Ausgabe, damit niemand still auf 180 Euro sitzen bleibt.
Wenn der Vermieter nicht antwortet
Eskaliert der Reihe nach und jedes Mal schriftlich. Erst nachhaken unter Nennung des ursprünglichen Datums. Dann eine formelle Aufforderung mit angemessener Frist. Dann die Stelle über der zuständigen Person in der Hausverwaltung. Und erst danach Mieterverein oder Rechtsberatung.
Zwei Hinweise. Mietminderung, Selbstvornahme oder das Einbehalten von Miete gibt es rechtlich, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen — lasst euch vorher beraten, statt es aus Frust zu tun. Und bleibt nüchtern im Ton: „Gemeldet am 3. Juni, nachgefragt am 10. Juni, keine Antwort, seit 14 Tagen kein Warmwasser" wirkt stärker als jedes Adjektiv. Lasst die Chronologie argumentieren.
In einer Mietwohnung wird nichts repariert, weil es das verdient hätte. Es wird repariert, weil eine Person es aufgeschrieben hat, mit Datum und Foto — und dann noch einmal nachgefragt hat. Seid diese Person für sechs Monate und gebt den Ordner danach weiter.
Häufige Fragen
Wer zahlt Reparaturen in einer WG, Vermieter oder Mieter?
Grundsätzlich ist die Vermieterseite dafür zuständig, dass die Wohnung nutzbar bleibt, also für Heizung, Warmwasser, Leitungen, Elektrik und Bausubstanz. Mieterinnen und Mieter tragen Schäden, die sie selbst verursacht haben, und je nach Mietvertrag Kleinreparaturen bis zu einem festgelegten Betrag. Was genau gilt, steht in eurem Mietvertrag unter Kleinreparaturklausel und Schönheitsreparaturen. Meldet einen Mangel trotzdem sofort, statt erst zu klären, wer schuld ist.
Wie schreibt man eine Mängelanzeige an den Vermieter?
In Textform, also per E-Mail oder Portal, auch wenn ihr zusätzlich anruft. Nennt, was seit wann nicht funktioniert, warum es dringend ist, hängt Fotos mit Datum an und schlagt zwei bis drei Zeitfenster für einen Handwerkertermin vor. Bittet um eine Rückmeldung bis zu einem konkreten Datum und bewahrt eine Kopie auf. Eine konkrete Meldung bekommt einen Termin, eine vage Meldung bekommt eine vage Antwort.
Schimmel in der WG: Vermieter oder falsches Lüften?
Das hängt von der Ursache ab, und genau deshalb ist Dokumentation so wichtig. Schimmel durch einen Baumangel wie eine undichte Stelle, eine Wärmebrücke oder eine kalte Außenwand geht zulasten der Vermieterseite, Kondenswasser durch dauerhaft geschlossene Fenster und Wäschetrocknen in der Wohnung wird dagegen den Mietenden zugerechnet. In der Praxis ist es oft eine Mischung. Meldet es früh mit Fotos, lüftet nachweislich stoß statt gekippt und ihr nehmt der Gegenseite das einfachste Gegenargument.
Was tun, wenn der Vermieter nicht auf Mängel reagiert?
Schriftlich eskalieren, Schritt für Schritt. Erst nachhaken unter Nennung des Datums der ersten Meldung, dann eine angemessene Frist setzen, dann die übergeordnete Stelle der Hausverwaltung ansprechen. Bleibt es dabei, sind Mieterverein oder eine Rechtsberatung der nächste Schritt. Mietminderung, Selbstvornahme oder das Einbehalten von Miete sind rechtlich möglich, aber an Bedingungen geknüpft. Holt euch dafür vorher Beratung, sonst riskiert ihr das Mietverhältnis.
Wie behält eine WG Mängel, Termine und Schriftverkehr im Blick?
An einem gemeinsamen Ort statt im Postfach einer einzelnen Person. Eine App wie Crew eignet sich dafür gut, weil Mietvertrag, Übergabeprotokoll, Fotos und Rechnungen in der gemeinsamen Dokumentenablage liegen, das Nachhaken als Aufgabe mit Datum sichtbar ist und ein selbst bezahlter Notdiensteinsatz direkt als gemeinsame Ausgabe erfasst wird. Zieht die Person aus, bleibt die Historie trotzdem bei der WG.