Das Zimmer stand drei Wochen leer, die Anzeige hat endlich funktioniert, und am Samstag zieht jemand Neues ein. Die WG freut sich ungefähr einen Tag lang. Dann fällt jemandem auf, dass nie jemand ausgesprochen hat, wie hier eigentlich irgendetwas läuft — und dass Samstag trotzdem Samstag bleibt.
Die meisten WGs lösen das mit einem freundlichen „frag einfach, wenn du was brauchst". Klingt großzügig und ist in Wahrheit die Auslagerung sämtlicher Hausregeln an das Ratevermögen einer fremden Person.
Neue Mitbewohner erben eine WG, die sie nicht sehen können
Jede WG läuft auf Regeln, die nie jemand aufgeschrieben hat. Der Müll kommt Dienstagabend raus, nicht Mittwochfrüh. Zwischen 7:40 und 8:00 duscht niemand, weil das Annas Fenster ist. Die blaue Pfanne gehört Marco, die schwarze allen. Übernachtungsbesuch bleibt zwei Nächte und nicht fünf, wegen einer Sache mit einem früheren Mitbewohner, die niemand mehr erklären möchte.
Nichts davon ist sichtbar für die Person, die gerade Kisten die Treppe hochträgt. Entweder man sagt es ihr, oder sie rät — und jeder falsche Versuch wird zu einem kleinen Minuspunkt in einer WG, die sie seit sechs Tagen kennt. Das ist die stille Unfairness beim Einzug in eine bestehende WG: Die Regeln werden erst in dem Moment ausgesprochen, in dem man gegen eine verstößt.
Ein neuer Mitbewohner ist deshalb keine Ergänzung, sondern ein Neustart. Zwei Wochen bewusste Mühe jetzt ersparen euch ein Jahr Grundrauschen. Und die Mühe zerfällt in vier unglamouröse Teile: Geld, Regeln, die Wohnung selbst und die Systeme.
Das Geld klären, bevor der Schlüssel übergeben wird
Schriftlich, vor dem Einzugstag, solange sich noch alle von ihrer besten Seite zeigen. Eine Nachricht von fünfzehn Minuten, die euch das unangenehmste Gespräch des WG-Lebens erspart.
- Kaution — wie hoch, wer sie verwaltet, wofür sie haftet. Wird die Kaution der ausziehenden Person direkt weitergereicht, sagt das ausdrücklich.
- Miete — ab wann, ob der erste Monat anteilig gerechnet wird, an wen und bis zu welchem Tag im Monat.
- Nebenkosten — jede laufende Zahlung, auf wen der Vertrag läuft, Betrag, Abbuchungstermin, Aufteilung. Auch die, die man vergisst: Internet, Streaming, Rundfunkbeitrag, die Stromnachzahlung, die immer jemanden überrascht.
- Laufende Kosten — WG-Kasse, Putzmittel, das, was seit März eine Person still für alle mitkauft.
- Möbel — ob es eine Ablöse für Sofa und Küchenausstattung gibt und was beim Auszug zurückkommt. WGs handhaben gemeinsame Möbelkosten sehr unterschiedlich, also entscheidet euch für ein Modell und schreibt es auf.
Es geht nicht um juristische Präzision. Es geht darum, dass eine im Flur genannte Zahl eine Halbwertszeit von vier Tagen hat und eine aufgeschriebene nicht.
Gegen die Regeln, die eine WG nie aufgeschrieben hat, verstoßen neue Mitbewohner zuerst — und bekommen es still angekreidet.
Die ungeschriebenen WG-Regeln aufschreiben
Zehn schlichte Zeilen. Keine Verfassung, kein laminierter Plan am Kühlschrank — eine kurze Nachricht vor dem Einzug, die die fünf Dinge abdeckt, an denen sich fast jeder WG-Streit entzündet:
- Übernachtungsbesuch und Partner — wie oft, wie lange, und ob jemand vorher Bescheid sagen sollte.
- Ruhezeiten unter der Woche und am Wochenende, und was überhaupt als Lärm gilt.
- Der Abwasch, und wie lange ein Teller in der Spüle existieren darf.
- Welche Lebensmittel gemeinsam sind und welche ausdrücklich nicht.
- Wie geputzt wird, und was „sauber" in genau dieser WG bedeutet.
Schickt es früh und als Entwurf, nicht als Erlass. Wer das liest und antwortet „mit 22 Uhr komme ich schwer klar, ich arbeite spät", tut euch damit einen großen Gefallen. Dieser Einwand ist in Woche null kostenlos und in Monat sechs teuer.
Nicht nur das Zimmer übergeben, sondern die Wohnung
Zwanzig Minuten, erster Tag, gemeinsamer Rundgang. Müll- und Wertstofftermine und wo die Tonnen tatsächlich stehen. Therme, Thermostat und wie die Heizung in der WG geregelt ist. Haupthahn und Sicherungskasten. Welcher Schlüssel welche Tür öffnet und welcher beim Drehen angehoben werden muss. Das WLAN-Passwort, irgendwo dauerhaft notiert und nicht einmal ins Handy getippt.
Dann die Eigenheiten: das Fenster, das im Sommer klemmt, der Hahn, der fest zugedreht werden muss, der Nachbar, der wegen der Parkplätze klingelt. Alle anderen haben das durch Zufall gelernt. Es bewusst weiterzugeben ist die freundlichste Geste überhaupt — sie sagt du wohnst jetzt hier deutlicher als jedes Einstandsbier.
Gebt auch die Kontaktdaten der Hausverwaltung weiter. Wer einen Wasserschaden selbst melden kann, wartet nicht drei Tage darauf, dass jemand anderes es tut.
Am ersten Tag in alle Systeme aufnehmen
Hier verlieren die meisten WGs den Faden. Die Regeln sind erklärt, das Geld ist geklärt — und dann sieht die neue Person zwei Monate lang nichts davon, weil der tatsächliche Stand der WG in der Tabelle einer Person, im Postfach einer zweiten und in einem längst weggescrollten Chatverlauf liegt.
Nehmt sie in der ersten Woche überall auf: WG-Chat, Putzplan, gemeinsame Ausgaben, WG-Dokumente. Genau dafür ist eine App wie Crew wirklich nützlich: Die neue Person kommt zur WG dazu und sieht sofort, was offen ist, was sie schon gezahlt hat, wer beim Bad dran ist und wo der Mietvertrag liegt. Kein Einführungsvortrag, kein Vertrauen in irgendjemandes Gedächtnis.
Macht es, solange es noch nach Formalität aussieht. Jemanden am ersten Tag in die Ausgabenliste aufzunehmen ist Papierkram. In Woche sieben, nachdem eine Rechnung liegen geblieben ist, ist es eine Ansage.
Den Termin nach zwei Wochen jetzt schon eintragen
Tragt vierzehn Tage nach dem Einzug fünfzehn Minuten ein und haltet den Termin auch dann, wenn alles gut aussieht. Gerade dann.
Drei Fragen: Was funktioniert, was ist komisch, und was hat niemand erklärt? Ihr bekommt Kleinigkeiten zurück — dass jemand um Mitternacht abwäscht, weil er nicht sicher war, ob er abends in die Küche darf, dass er das gemeinsame Regalfach für privat gehalten hat. Und Kleinigkeiten sind genau das, was ihr hören wollt. Jeder jahrelange WG-Groll hat einmal als etwas angefangen, das in Woche zwei neun Sekunden gedauert hätte.
Eine WG ist keine Ansammlung von Zimmern mit zugeteilten Personen. Sie ist eine funktionierende Absprache, die zufällig ein Dach hat. Übergebt die Absprache am selben Tag wie den Schlüssel, und die neue Person gehört bis Monatsende dazu — statt Gast zu sein, der Miete zahlt.
Häufige Fragen
Was sollte man mit einem neuen Mitbewohner vor dem Einzug klären?
Geld und Regeln, und zwar schriftlich, bevor der Schlüssel übergeben wird. Dazu gehören Höhe und Verwaltung der Kaution, ab wann Miete fällig ist und ob der erste Monat anteilig gerechnet wird, welche Nebenkosten es gibt und wie sie geteilt werden, laufende Kosten wie Abos und Putzmittel sowie die Regeln zu Besuch, Ruhezeiten und Putzen. Nichts davon muss formell sein, aber alles sollte nachlesbar sein, weil dieses Gespräch vor dem Einzug leicht ist und danach unangenehm.
Wie nimmt man einen neuen Mitbewohner in die Nebenkosten auf?
Listet zuerst jede laufende Zahlung der WG auf, auch die, an die niemand denkt: Internet, Streaming, Rundfunkbeitrag, Putzmittel, die eine Person seit Monaten automatisch kauft. Notiert zu jedem Posten, auf wen der Vertrag läuft, was er kostet, wann er abgebucht wird und wie geteilt wird. Verträge bleiben meist auf der bisherigen Person, entscheidend ist deshalb, dass die neue Person Betrag und Termin kennt. Alles, was bisher auf einer stillen Gewohnheit beruhte, sollte jetzt eine ausdrückliche Aufteilung bekommen.
Muss ein neuer Mitbewohner eine Ablöse für vorhandene Möbel zahlen?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort, nur einen richtigen Zeitpunkt für die Frage. Manche WGs verlangen eine kleine Ablöse für gemeinsame Anschaffungen wie Sofa, Küchenausstattung und Waschmaschine und zahlen beim Auszug anteilig zurück. Andere behandeln vorhandene Möbel als Teil des Zimmers und verlangen nichts. Beides funktioniert, solange es vor dem Einzug besprochen und aufgeschrieben wird, inklusive der Regel für den späteren Auszug.
Welche WG-Regeln sollte man neuen Mitbewohnern erklären?
Die fünf, an denen sich fast jeder Streit entzündet: Übernachtungsbesuch und Partner, Ruhezeiten unter der Woche und am Wochenende, der Umgang mit dem Abwasch und wie lange Geschirr stehen darf, welche Lebensmittel gemeinsam und welche privat sind, und wie der Putzplan funktioniert. Bleibt bei etwa zehn schlichten Zeilen statt einer WG-Verfassung und schickt sie vor dem Einzugstag, damit die neue Person noch widersprechen kann.
Wie bekommt ein neuer Mitbewohner am schnellsten Überblick über Kosten und Aufgaben?
Indem er Zugriff auf dieselbe gemeinsame Übersicht bekommt wie alle anderen, statt sich alles mündlich merken zu müssen. Eine App wie Crew eignet sich dafür gut, weil eine neue Person in einer Minute zur WG hinzugefügt wird und sofort die gemeinsamen Ausgaben, offene Beträge, den Putzplan und die WG-Dokumente sieht. Aus den ersten zwei Wochen wird so ein Nachschlagen statt eines Gedächtnistests.