Niemand zieht in eine WG mit dem Vorsatz, sich später über Müllbeutel zu streiten. Man zieht an einem guten Tag ein, alle sind freundlich, und das Ganze läuft auf einer stillen Annahme: Vernünftige Menschen verhalten sich vernünftig.
Dann kommt die Nebenkostenabrechnung. Sie ist höher, als irgendjemand eingeplant hatte, der Freund einer Mitbewohnerin war elf Nächte am Stück da, und wer seit Oktober das Klopapier kauft, legt die Kassenbons inzwischen kommentarlos auf die Küchenablage. Mit der Schrift nach oben.
Das ist kein Charakterproblem. Das ist ein Dokumentationsproblem.
Was eine WG-Vereinbarung ist — und was nicht
Eine WG-Vereinbarung ist die schriftliche Fassung davon, wie euer Haushalt funktioniert: Geld, Haushalt, Besuch, Lautstärke und was passiert, wenn jemand auszieht. Sie steht neben dem Mietvertrag, nicht darin.
Der Mietvertrag regelt euer Verhältnis zum Vermieter: Kaltmiete, Laufzeit, Kaution, Zustand der Wohnung. Zu der Frage, wer das Bad putzt, wie vier Leute eine Internetrechnung aufteilen oder ob jemand, der faktisch mitwohnt, auch mitzahlen sollte, schweigt er komplett. In dieser Lücke wohnt praktisch der gesamte WG-Streit. (Der Mietvertrag verdient trotzdem sein eigenes Gespräch — hier steht, was ihr vor der Unterschrift klären solltet.)
Es braucht dafür keinen Anwalt, keinen Notar und keine Paragrafensprache. Eine unterschriebene Seite unter Erwachsenen wird im Zweifel ernst genommen — aber deswegen schreibt man sie nicht.
WGs zerbrechen selten an den Regeln, die alle vereinbart haben. Sie zerbrechen an den Regeln, die alle vorausgesetzt haben.
Fangt beim Geld an
Geld ist das, woran sich alle unterschiedlich erinnern. Also zuerst, und in Zahlen.
- Miete. Wer zahlt wie viel, bis wann, an wen. Wenn die Zimmer unterschiedlich groß sind, schreibt dazu, warum die Beträge sich unterscheiden — die Begründung verhindert den Groll, nicht die Zahl.
- Nebenkosten und Verträge. Auf wessen Namen laufen Strom, Internet und Rundfunkbeitrag, wie wird geteilt, und was passiert bei einer Nachzahlung. Gleichmäßig, nach Zimmergröße oder nach Verbrauch: Entscheidet euch bewusst, wie beim fairen Aufteilen von Miete und Nebenkosten.
- Die WG-Kasse. Putzmittel, Klopapier, Müllbeutel, Spülmittel. Entweder ein gemeinsamer Topf oder die Regel, dass jeder Einkauf sofort eingetragen wird.
- Größere Anschaffungen. Ein Betrag — sagen wir 80 Euro — ab dem alle zustimmen müssen, plus eine Notiz, wer was bezahlt hat.
- Ein Abrechnungstag. Ein Termin im Monat, an dem offene Beträge ausgeglichen werden. Schulden, die ein Quartal mitlaufen, fühlen sich irgendwann nicht mehr nach Organisation an, sondern nach Charakterurteil.
Wo auch immer das steht: Es muss für alle einsehbar sein. Genau diese Lücke füllt eine App wie Crew für WGs — Ausgaben, Aufteilungen, Aufgaben und WG-Dokumente an einer Stelle, damit die Vereinbarung und der tatsächliche Monat nicht auseinanderlaufen.
Schreibt den Putzplan so, dass „sauber“ definiert ist
Die meisten Putzpläne scheitern, weil dort ein Wort steht und keine Aufgabe. „Küche“ heißt für die eine Person Arbeitsfläche abwischen und für die andere Wasserkocher entkalken.
Listet also alle wiederkehrenden Aufgaben auf — auch die unsichtbaren: den Vermieter erinnern, Glühbirnen kaufen, an den Müllabfuhrtag denken. Dann bekommt jede Aufgabe eine Person, einen Rhythmus und einen Standard. „Bad: Waschbecken, WC, Dusche, Boden, wöchentlich“ ist ein Satz, den niemand missverstehen kann. Warum Putzpläne trotzdem in Woche drei sterben und wie es besser geht, steht in Putzpläne scheitern immer — und wenn die Last ungleich verteilt ist, liegt das meist an der unsichtbaren Organisationsarbeit.
Klärt Besuch und Ruhezeiten, bevor es persönlich wird
Diesen Teil überspringen viele, weil er übergriffig wirkt. Er ist der, der die WG rettet.
- Besuch und Partner. Eine Zahl an Nächten pro Woche, ab der man kurz miteinander spricht. Keine Strafe, eine Schwelle. Mehr dazu: Übernachtungsbesuch in der WG.
- Ruhezeiten. Werktags und am Wochenende, als echte Uhrzeiten. Die übliche Nachtruhe ab 22 Uhr ist die Untergrenze, nicht die Absprache. Siehe Ruhezeiten in der WG.
- Partys. Wie viel Vorlauf, und ob jemand ein Veto hat.
- Haustiere und Rauchen. Einmal vorher entschieden statt in der Woche, in der das Kätzchen einzieht.
Schreibt Zahlen, keine Stimmungen. „Rücksichtsvoll sein“ ist keine Regel, sondern ein Rorschachtest.
Regelt den Auszug, solange ihr euch noch mögt
Jede WG endet. Die Auszugsregeln früh festzulegen kostet nichts und erspart euch die schlimmste Woche des Mietverhältnisses.
Vereinbart, wie viel Vorlauf jemand der WG gibt — ein Monat ist üblich, und das ist unabhängig von der Kündigungsfrist gegenüber dem Vermieter. Klärt, wer den Nachmieter sucht und ob die anderen mitentscheiden. Klärt die Kaution beim Wechsel mitten im Mietverhältnis: Zahlt die neue Person ihren Anteil direkt an die ausziehende? Und haltet fest, wem das Sofa gehört, denn gemeinsam gekaufte Möbel machen aus einvernehmlich schneller kleinlich als alles andere in der Wohnung. Wenn es schon so weit ist: Mitbewohner zieht früher aus — was jetzt?
Eine Seite, unterschrieben, zweimal im Jahr geprüft
Länge ist der Feind. Ein vierseitiges Dokument liest niemand ein zweites Mal; eine Seite ist etwas, an dessen Zustimmung man sich erinnert. Formuliert schlicht, lasst alle unterschreiben oder digital bestätigen, legt es dort ab, wo die ganze WG es findet — nicht im Download-Ordner einer Person — und setzt euch alle sechs Monate eine Erinnerung, oder immer dann, wenn jemand ein- oder auszieht.
Und rechnet damit, sie zu ändern. Die Vereinbarung ist kein Urteil darüber, wie ihr für immer lebt, sondern die beste Schätzung dieses Monats — aufgeschrieben, damit man sie verbessern kann, statt darüber zu streiten. Eine Regel, an die sich niemand hält, war eine schlechte Regel. Schreibt sie beim nächsten WG-Treffen neu.
Das Merkwürdige an WG-Vereinbarungen ist, dass der nützlichste Teil vor der Unterschrift passiert. Sich hinzusetzen und eine zu schreiben erzwingt genau die vier Gespräche, die die meisten WGs vermeiden, bis der Groll sie für sie führt. Einmal dreißig Minuten mit einer gemeinsamen Seite — und ihr habt ein Jahr passiv-aggressiver Zettel am Kühlschrank durch ein Dokument ersetzt, das niemand nachlesen muss, weil alle wissen, was drinsteht.
Häufige Fragen
Ist eine WG-Vereinbarung rechtlich bindend?
Eine schriftliche, von allen unterschriebene Vereinbarung unter Mitbewohnern ist eine Abrede zwischen Privatpersonen und kann im Streit um offene Nebenkosten oder die Kaution durchaus als Beleg dienen. Sie ersetzt aber nicht den Mietvertrag: Gegenüber dem Vermieter gilt, was dort steht, und bei einem gemeinsamen Mietvertrag haften alle Hauptmieter gesamtschuldnerisch für die Miete. Seht die Vereinbarung als gemeinsames Gedächtnis, nicht als juristischen Schutzschild — ihr eigentlicher Zweck ist, den Streit gar nicht erst entstehen zu lassen.
Was gehört in eine WG-Vereinbarung?
Fünf Bereiche decken fast alles ab: Geld (Mietanteile, Zahlungstermine, Aufteilung der Nebenkosten, auf wessen Namen die Verträge laufen), Haushalt (Putzplan mit Aufgaben, Häufigkeit und Standard), gemeinsame Räume und Sachen (Küche, Lebensmittel, was gemeinsam ist und was nicht), Zusammenleben (Übernachtungsbesuch, Ruhezeiten, Partys, Haustiere, Rauchen) und der Auszug (Vorlaufzeit, Nachmietersuche, Kaution, gemeinsame Möbel). Alles, worüber es schon einmal Reibung gab, gehört ebenfalls hinein.
Braucht man eine WG-Vereinbarung, wenn es schon einen Mietvertrag gibt?
Ja, weil beide Papiere unterschiedliche Fragen beantworten. Der Mietvertrag regelt das Verhältnis zum Vermieter: Miete, Laufzeit, Kaution, Zustand der Wohnung. Er sagt nichts darüber, wer das Bad putzt, wie vier Leute eine Internetrechnung aufteilen oder wie oft der Partner einer Mitbewohnerin bleiben kann. Genau dieses Alltagsleben regelt die WG-Vereinbarung — und davon hängt ab, ob das Zusammenwohnen funktioniert.
Wie schlägt man eine WG-Vereinbarung vor, ohne dass es komisch wird?
Als Organisation, nicht als Vorwurf. Der beste Moment ist der Einzug oder ein WG-Abend ohne akuten Konflikt, und das beste Argument ist, dass danach niemand mehr erinnern oder nachfragen muss: keine Diskussion über die Miete, kein Rätselraten, wer den Müll runterbringt. Schreibt einen groben ersten Entwurf, teilt ihn und lasst alle daran mitschreiben. An eine Vereinbarung, die man mitformuliert hat, halten sich Menschen deutlich zuverlässiger.
Wie behält man den Geldteil einer WG-Vereinbarung am einfachsten im Blick?
In einer gemeinsamen Übersicht, die alle öffnen können, statt im Chatverlauf oder im Kopf einer Person. Eine App wie Crew eignet sich dafür gut, weil gemeinsame Ausgaben, Aufteilungen und offene Beträge an derselben Stelle liegen wie Aufgaben und WG-Dokumente. So driften die Vereinbarung und der tatsächliche Monat nicht auseinander, und jeder kann selbst nachsehen, ohne jemanden fragen zu müssen.