In eurer WG hat sich noch nie jemand über Netflix gestritten. Genau das ist das Problem. Irgendwann hat eine Person das Abo „erstmal“ auf ihre Karte gelegt — und achtzehn Monate später zahlt sie es immer noch. Dazu den Spotify-Family-Tarif, den Cloud-Speicher, der wegen fremder Fotos ständig voll ist, und einen Streamingdienst, den im Februar jemand für genau eine Serie abgeschlossen hat und der sich seitdem klaglos verlängert.
Einzeln ist keines dieser Abos ein Gespräch wert. Genau deshalb findet das Gespräch nie statt. Acht vergessene Abos zu je 9 € im Monat sind aber fast 900 € im Jahr, die still vom Konto einer Person abgehen. Und der Frust, der sich aufbaut, hat selten mit dem Geld zu tun — sondern damit, die Einzige gewesen zu sein, der es aufgefallen ist.
Warum Abos mehr Ärger machen, als ihre Höhe vermuten lässt
Über die Miete wird gesprochen, weil sie groß ist. Der Einkauf regelt sich, weil er wöchentlich passiert und Ungerechtigkeit schnell auffällt. Abos liegen genau dazwischen: zu klein, um sie anzusprechen, zu automatisch, um sie zu bemerken — und zu regelmäßig, um in Summe klein zu bleiben.
Dazu kommt: Abos sind unsichtbar, anders als andere WG-Kosten. Die Stromrechnung landet im Briefkasten. Die 12,99 €, die am 14. um drei Uhr nachts vom Konto eures Mitbewohners abgehen, sieht niemand. Die zahlende Person weiß genau, was läuft, alle anderen wirklich nicht — so entsteht eine WG mit einem stillen Gläubiger und drei Leuten, die sich gern beteiligt hätten, wenn jemand gefragt hätte.
Erst inventarisieren, dann aufteilen
Bevor ihr irgendetwas aufteilt, findet heraus, was überhaupt existiert. Jede Person prüft zwei Dinge: die Kontoauszüge der letzten zwei Monate und die Abo-Liste im App Store oder Play Store — dort schlummern erstaunlich viele vergessene Verlängerungen.
Danach kommt jedes Abo auf einen von drei Stapeln:
- Wirklich gemeinsam — alle in der WG nutzen es. Der Streamingdienst am Fernseher, der gemeinsame Cloud-Speicher, der Musik-Family-Tarif.
- Privat — nur eine Person nutzt es, also zahlt auch nur eine Person. Fitnessstudio, Sprach-App, Gaming-Abo.
- Kündigen — seit zwei Monaten hat es niemand geöffnet. Nicht aufteilen, sondern beenden.
Fast jede WG, die das zum ersten Mal macht, findet mindestens ein doppelt abgeschlossenes Abo und eins, das niemand zuordnen kann. Allein das rechnet die zwanzig Minuten schon wieder rein.
Verträge verteilen — nicht alles auf eine Person
Jedes Abo braucht jemanden, auf dessen Namen und Karte es läuft — und der sich kümmert, wenn eine Zahlung platzt. Der Reflex ist, es bei der Person zu lassen, die es abgeschlossen hat. So landet am Ende die gesamte Vertragsverwaltung der WG bei einer einzigen Person.
Verteilt sie lieber: Eine übernimmt den Streamingdienst, eine den Musiktarif, eine den Cloud-Speicher. Der Aufwand verteilt sich, und niemand geht jeden Monat mit dreistelligen Beträgen in Vorleistung. Wählt dabei Leute aus, die voraussichtlich in einem Jahr noch dort wohnen — mit dem einzigen Netflix-Zugang der WG auszuziehen sorgt für sein eigenes kleines Chaos.
Nach Nutzung teilen, nicht nach Kopfzahl
Die fairste Aufteilung ist nicht die, die am gleichmäßigsten teilt. Sondern die, bei der niemand für etwas zahlt, das er nie öffnet.
Gleichmäßig teilen funktioniert, wenn alle ähnlich viel nutzen. Ein Musik-Family-Tarif mit sechs Plätzen, von denen vier Mitbewohner drei belegen, wird aber durch drei geteilt — nicht durch vier, weil die vierte Person ohnehin nur die Gratis-Version hört. Und ein Streamingdienst, den zwei von euch schauen, sollte nicht aus Höflichkeit von vieren bezahlt werden.
Stellt die unangenehme Frage ruhig direkt: „Nutzt das eigentlich noch jemand?“ Die Alternative ist, dass jemand jahrelang 5 € im Monat zahlt, statt zuzugeben, dass er sich noch nie eingeloggt hat.
Kleine Beträge sichtbar machen
Abo-Aufteilungen scheitern nicht am Streit, sondern am Aufwand. Niemand überweist zwölfmal im Jahr 4,33 € — also wird daraus ein vages „rechnen wir später ab“, das nie ganz kommt.
Die Lösung: Abos nicht als separate Liste im Kopf führen, sondern in dieselbe laufende Abrechnung wie Miete und Nebenkosten packen. Wenn ihr eure WG-Kosten ohnehin in etwas wie Crew festhaltet, wird jedes Abo zu einem wiederkehrenden Posten, der sich mit allem anderen verrechnet — die 4,33 € gehen gegen den Einkauf auf, den jemand anders bezahlt hat, und niemand muss wegen eines Kaffeepreises hinterhertelefonieren.
Zweimal im Jahr prüfen — und bei jeder Änderung
Abos verrotten. Preise steigen, Tarife werden umgebaut, und die Serie, für die ihr abgeschlossen habt, ist seit zwei Staffeln durch. Setzt euch alle sechs Monate eine Erinnerung für dieselbe Drei-Stapel-Prüfung — sie dauert eine Viertelstunde und findet zuverlässig etwas.
Zwei Ereignisse rechtfertigen eine Prüfung außer der Reihe: eine Preiserhöhung und ein Auszug. Beides verschiebt die Rechnung leise, und beides lässt sich monatelang stillschweigend schlucken, wenn nur der Vertragsinhaber die Abbuchung sieht.
Gemeinsame Abos sind die WG-Kosten, die sich in aller Öffentlichkeit verstecken — einzeln zu klein zum Ansprechen, zusammen groß genug, um zu zählen. Listet sie auf, gebt jedem einen Verantwortlichen, teilt nach echter Nutzung und lasst sie mit allem anderen verrechnen. Einmal gemacht, bleibt in eurer WG nur noch eine Streitfrage übrig: was ihr schaut.
Häufige Fragen
Wie teilt man Abos in einer WG fair auf?
Gleichmäßig aufgeteilt werden nur die Dienste, die wirklich alle nutzen — alles andere bleibt privat. Bei Family-Tarifen mit einzelnen Profilen teilt ihr nach belegten Plätzen, nicht nach Anzahl der Mitbewohner. Entscheidend ist, vorher zu klären, welche Abos überhaupt als gemeinsam gelten.
Darf man einen Netflix- oder Spotify-Account in der WG teilen?
Die großen Streaming-Anbieter binden Konten inzwischen an einen Haushalt beziehungsweise eine Hauptadresse und verlangen für externe Mitglieder oft einen Aufpreis. Eine WG unter einer Adresse fällt in der Regel darunter, aber die Bedingungen unterscheiden sich je Anbieter und ändern sich häufig — prüft die aktuelle Haushaltsregelung, bevor ihr die Kosten aufteilt.
Wer sollte den Vertrag für ein gemeinsames WG-Abo übernehmen?
Am besten die Person, die voraussichtlich noch in einem Jahr in der WG wohnt und den Verwaltungsaufwand nicht scheut. Verteilt die Verträge über mehrere Dienste auf verschiedene Mitbewohner, damit nicht eine Person sämtliche Verlängerungen, Preisänderungen und Kündigungen im Blick behalten muss.
Wie behält man gemeinsame Abos in der WG im Überblick?
Am einfachsten ist es, jedes Abo als wiederkehrende WG-Ausgabe neben Miete und Nebenkosten zu führen statt in einer separaten Liste im Kopf. Eine App wie Crew eignet sich dafür gut, weil die kleinen Monatsbeträge in derselben laufenden Abrechnung landen und niemand am Monatsende 4,50 € hinterherlaufen muss.
Was tun, wenn ein gemeinsames Abo teurer wird?
Nehmt die Preiserhöhung als Anlass zur Überprüfung, statt sie stillschweigend zu schlucken. Klärt, ob alle den Dienst noch nutzen, ob ein günstigerer Tarif reicht, und passt die Aufteilung an, damit nicht der Vertragsinhaber die Differenz allein trägt. Eine halbjährliche Prüfung fängt die meisten dieser Fälle ab.